Geschichte der Kolpingsfamilie Zwiefalten

Gegründet im Jahre 1908 als Kath. Gesellenverein umschrieben die Zwiefalter Gesellen ihr Programm mit den Worten:
 

Religion und Tugend
Arbeitssamkeit und Fleiß
Eintracht und Liebe
Frohsinn und Schmerz

 
Mit einer Versammlung im Monat nahmen sie ihre Vereinsarbeit auf:
  • gesellige Abende
  • Berufsabende
  • Arbeitseinsätze
  • Sport
aber auch Höhepunkte wie Theater, Weihnachtsfeiern, Passionsspiele und Nikolausgehen.
   

Die Vereinsleitung oblag dem „Präses“, meist einem Vikar und dem „Senior“, einem älteren Gesellen.
Die Einrichtung einer Bibliothek, Anschaffung einer Theaterbühne und die Gründung einer Fußballmannschaft zeugen vom enormen Engagement der Kolpingssöhne. Bereits nach wenigen Jahren wurden fast alle Gesellen zum Kriegsdienst eingezogen und die Reihen lichteten sich derart, daß der Verein so gut wie
ausgelöscht war. Der engagierte erste Senior Gebhard Kopp ließ als erster vom Gesellenverein und als erster Zwiefalter sein Leben auf den Schlachtfeldern in Frankreich.


Doch es ging unverändert aktiv weiter und der Kath. Gesellenverein erlebte in den zwanziger Jahren eine weitere Blüte und wurde zu einer namhaften Organisation im Ort, aber auch im Kolpingverband.


Mitte der Dreißigerjahre mußte der Verein seine Aktivitäten einstellen und mit Beginn des 2. Weltkriegs
wurden wieder die Gesellen eingezogen und kehrten zum großen Teil nie wieder heim.


Ein neuer Anfang wurde 1948 gewagt und der Verein unter dem Namen Kolpingsfamilie wiedergegründet. Acht junge Männer hatten damals erkannt, daß das Programm und die Wertevorstellungen des Gesellenvaters und Sozialreformers Adolph Kolping auch heute noch uneingeschränkt Gültigkeit haben. Es gab nun wöchentliche Versammlungen und neben Baach und Gossenzugen wurden auch die Nachbarorte Mörsingen, Gauingen, Hochberg und Sonderbuch mit neuen Mitgliedern einbezogen.


Es wurde neben den Versammlungen auch wieder an frühere Höhepunkte und Großveranstaltungen
angeknüpft und neue ins Leben gerufen :

 
Theateraufführungen Sportfeste
Fahrrad- u. Motorradsegnungen Kinderfeste
Ensmad Wallfahrt Seifenkistenrennen
Nikolausgehen Glaubensgespräche
 

Die Kolpingsfamilie entwickelte sich dann auch schnell zu einer der tragenden Organisationen in der Gemeinde mit Bäckermeister Georg Häbe und Pfarrer Anton Barth an der Spitze.


Das „Bürgerschaftliche Engagement“ zeigte sich durch viele Arbeitseinsätze, z. B. beim Bau des „Haus Adolph Kolping“, bei der Errichtung und Gestaltung eines Freizeitgeländes und durch die erste Kontaktaufnahme mit französischen Jugendlichen, welche zu einer Partnerschaft führte.


Im Jahre 1969 wurde der Kolping-Fanfarenzug ins Leben gerufen und es fand die erstmalige Aufnahme von weiblichen Mitgliedern statt.

1972 wurde die Leitungsstruktur modern zugeschnitten, es gab nun einen Vorsitzenden, die Organisationsarbeit wurde auf mehrere Schultern in einer größeren Vorstandsschaft verteilt und die Kolpingjugend wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Kolpingsfamilie. Die Altersgruppen und Sachbereiche wurden eingeführt.


Sehr beliebt sind bis zu heutigen Tag die Betriebsbesichtigungen und Reiseberichte. In den 80er-Jahren führte die Kolpingsfamilie das Ferienprogramm „Hits für Kids“ ein, das für die ganze Gemeinde organisiert und und aus eigenen Mitteln finanziert wird.


Junge Leute mit Liebe zur Musik taten sich in den 2005 zu einer Band mit dem Namen „feedback“ zusammen und gestalten seither insbesondere Gottesdienste aber auch Festveranstaltungen.


Ähnlich ist auch die Trommlergruppe der Kolpingjugend zu sehen, die sich 2006 formierte, sich den Namen „AfroBeats“ gab und Festveranstaltungen in Zwiefalten und der Region mitgestaltet.


Wenn auch die Voraussetzung für Vereine in unserer Zeit wegen des vielfältigen Freizeitangebots, in Zwiefalten aber vor allem wegen des gravierenden Mangels an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen nicht gerade ideal sind, so ist es der Kolpingsfamilie bisher doch gelungen, jährlich neue Mitglieder aufzunehmen. Dadurch ist es auch möglich, die wöchentlichen Versammlungen beizubehalten, und ein interessantes Programm anzubieten. Bei besonderen Veranstaltungen sind die Mitglieder immer zur Stelle, wenn sie gerufen werden.


Der Verein nicht als Selbstzweck, sondern im Dienste für die Mitmenschen!


Unter dieser Maxime sind die Kolpingsfamilie als Gemeinschaft und die Mitglieder als Einzelne immer bereit, Aufgaben und Verpflichtungen für die Gesellschaft zu übernehmen. Wie anders wären sonst die vielen freiwilligen Arbeitseinsätze bei der Münsterrenovierung, beim Bau von Spielplätzen für den Kindergärten und
für das Freibad möglich gewesen.


Unter diesem Aspekt sind auch die erheblichen Spenden zu verstehen, die jährlich in die Mission und an caritative Einrichtungen gehen. 2008 wurde der Gründung vor 100 Jahren gedacht und viele Freunde und Mitglieder brachten sich mit beachtlicher Kreativität ein und präsentierten bei der Jubiläums-Gala, beim Gottesdienst, beim Festumzug
und bei der Ausstellung auf beeindruckende Weise, was „Familie Kolping“ in Zwiefalten ausmacht.

 
Kolping – kurz und bündig:
  • wir laden ein und machen Mut zur Gemeinschaft
  • wir sind in der Kirche zu Hause
  • wir nehmen uns Adolph Kolping zum Vorbild
  • wir sind eine generationsübergreifende familienhafte Gemeinschaft
  • wir prägen als Sozialverband die Gesellschaft
  • wir begleiten Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Bildung
  • wir verstehen uns als Anwalt für Familie
  • wir spannen ein weltweites Netz der Partnerschaft
  • wir leben verantwortlich und handeln solidarisch
 
Kolping Zwiefalten gehört mit rund 390 Mitgliedern zu den größten und aktivsten Kolpingsfamilien Süddeutschlands. Die Kolpingsfamilie hat sich im Vereinsleben und innerhalb der Gemeinde Zwiefalten einen Platz geschaffen, den es zu erhalten gilt und den zu erhalten es sich lohnt.

Die Mitglieder zeichnen sich durch Loyalität aus; - wir nennen das „TREUE“.

„Anfangen ist oft das Schwerste,
aber treu bleiben das Beste“

Adolph Kolping